Die Senioren-Union Erzgebirge auf dem Moorlehrpfad Stengelhaide am Erzgebirgskamm unterwegs…
Im Ortsteil Kühnhaide der Bergstadt Marienberg, im mittleren Erzgebirge und der Grenznähe zu Tschechien gelegen, trafen sich am 20. August 2025 32 Mitglieder und Interessierte.
Die Wanderung ging etwa 4 km auf dem Moorlehrpfad Stengelhaide entlang. Der Lehrpfad führt, zum Teil auf Bohlenwegen, durch das Moor und stellt auf Informationstafeln die Vegetation, den Torfabbau sowie Renaturierungsmaßnahmen vor. Höhepunkt der Route ist eine Aussichtsplattform. Auf dieser wunderschönen Route des Naturparks Erzgebirge-Vogtland begleitete uns mit ihren fachkundigen Erläuterungen die Moorexpertin Anke Fritzsch.
Frau Anke Fritzsch erzählte zudem darüber, wie die Menschen in den Jahrhunderten in und mit diesem besonderen Naturraum lebten. So gibt es ein besonderes Gras, welches zur Reinigung von Tabakspfeifen genutzt wurde. Mit einem anderen Büschelgras füllte man Kissen aus. Bestimmte Moose dienten der Körperhygiene.
Wie sind Moore entstanden und welche Bedeutung haben sie heute für uns?
Moore sind dauerhaft vernässte Sedimentationsräume, in denen abgestorbene Pflanzenreste ins Wasser fallen und dort nur teilweise zersetzt werden, sodass sie das organische Sediment Torf bilden. Torf ist eines der jüngsten Gesteine in Sachsen, welches nach der letzten Eiszeit im Holozän, also im Laufe der vergangenen 11.000 Jahre, entstand. Für die Torfbildung ist ein ganzjährig feuchtes Klima nötig, damit das Moor nicht trocken fällt. Die meisten Moore in Sachsen entwickelten sich aus einem Grundwasser-gespeisten Niedermoor mit Binsen-Schilfrohr-Erlen-Vegetation zu einem Regenwasser-gespeisten Hochmoor mit Torfmoos-Wollgras-Vegetation. Diese ist im Hochmoor Stengelhaide noch heute zu finden.
Stengelhaide ist ein Talsenkenmoor, welches vom Stinkenbach gespeist wird. Es umfasst eine bis zu 6 Meter mächtige Torfschicht. Diese wurde seit dem Mittelalter als Rohstoff abgebaut. Dafür wurde das Moor entwässert, sodass sich eine Birken- und Fichten-Vegetation entwickeln konnte. Der Torfbergbau wurde 1990 stillgelegt. Seit dieser Zeit gibt es Bestrebungen, den Torfkörper wieder zu vernässen und zu revitalisieren, indem das Wasser wieder angestaut wird. Es entwickelte sich eine eigene schützenswerte Fauna und Flora. (Quelle: SMUL/LfULG Sachsens Geologie erleben).
Im Erzgebirgskreis gibt es eine Vielzahl an Mooren und Hochmooren, die als wertvolle Lebensräume und Naturschutzgebiete von Bedeutung sind. Darunter befinden sich die Hochmoore „Kleiner und Großer Kranichsee“ in Johanngeorgenstadt, das Hochmoor „Siebensäure“ in Sehmatal, das „Moor am Pfahlberg“ in Oberwiesenthal, das Moor „Mothäuser Heide“ in Kühnhaide, das das älteste Moor und Schutzgebiet im Erzgebirge ist, und die „Moore südlich von Schönheide“.
Frau Anke Fritzsch zitierte abschließend aus einem Gedicht von Siegfried Slobboda
(Auszug):
„Oh quelliger Sumpf, oh schwammiges Moor –
Worin liegt dein Ursprung? Was geht in dir vor?
Nicht einfach – und erst recht nicht bequem
wird die Deutung des Moores als Ökosystem.
Im Weitergeh`n schlürfen der Tritte Siegel,
als bald quillt nach oben der Wasserspiegel.
Oh quelliger Sumpf, oh schwammiges Moor –
Nur allzugern kommt die Erinn`rung empor:
Unvergessen dein Antlitz, so herb und wild,
Vergehen und Werden im wechselnden Bild,
entstanden in Tausenden von Jahren…
Wir stehn in der Pflicht, es zu bewahren!“
Nach der Wanderung trafen wir uns im Landwirtschaftsbetrieb Mirko Hänel in Rübenau zu einem gemeinsamen Abendessen, nahmen deren Tierhaltung in Augenschein und ließen den Nachmittag gesellig ausklingen.
Unser Vorsitzender Frank Vogel dankte im Namen aller sowohl Frau Anke Fritzsch wie auch der Familie Hänel für diesen besonderen wissenswerten Nachmittag zur Erhaltung unseres Ökosystems.